Hätte es uns nie geben dürfen?
In letzter Zeit tauchten wieder Meldungen zu einem möglichen pränatalen Test für Autismus auf. Dieses Thema wird von vielen Betroffenen mit grosser Sorge gesehen. Lesen Sie den Kommentar eines Menschen, dem Ärzte in der Zukunft vielleicht keine Lebensberechtigung mehr zugestehen würden…Unter anderem die Schweizer Zeitung berichtet hier über Forschungsergebnisse, die zu einem Test führen könnten, mit dem bei Schwangeren festgestellt werden kann, ob das Kind autistische Merkmale haben wird.
Massgeblich beteiligt an dieser Forschung ist Simon Baron-Cohen, ein bekannter Forscher auf diesem Gebiet.
Mich verwundert, dass er in letzter Zeit selbst immer wieder auf ethische Bedenken eines solchen Testes hinweist, aber selbst die Forschung ganz erheblich unterstützt. Er hat selbst schon darauf hingewiesen, dass die “Überlebenschancen” eines ungeborenen Kindes mit einer solchen Diagnose nicht besonders gut sind. Er betont oft, dass autistische Menschen nicht von der Gesellschaft ausgeschlossen werden sollen, warum sucht er sich dann nicht ein anderes Thema für seine Forschung? Auf dem Gebiet des Autismus gäbe es noch genug zu tun…..
Mir drängt sich der Eindruck auf, dass er seinem Cousin nacheifert und Medienpräsenz um jeden Preis sucht. “Zu viel Testosteron in der Gebärmutter” erinnert an eine wissenschaftliche Umschreibung von “Warum Männer nicht zuhören und Frauen nicht einparken…” und das war schon immer ein willkommener Lückenfüller in der Presse….
Auch wenn ich nicht glaube, dass aus diesen Ergebnissen je ein Test werden wird - seine Theorie ist unter Forschern nicht allgemein anerkannt und die Ergebnisse uneindeutig - nehme ich das sehr ernst. Irgendjemand wird mehr herausfinden. Die Wissenschaft entwickelt sich weiter.
Wenn es einen solchen Test eines Tages geben sollte, befürchte ich viele Abtreibungen, weil viele immernoch ein sehr negatives Bild von Autismus haben und kaum informiert sind. Wenn viele Psychiater nicht bescheid wissen, was kann man dann von der Konfliktberatung beim Frauenarzt erwarten? Vielleicht werden sogar Kostenträger Druck ausüben und die Leistungen für Betroffene und Angehörige kürzen - wenn Autismus erst einmal “vermeidbar” geworden ist….
Bestimmte Negative Begleiterscheinungen (Ausgrenzung, Depression, Angstprobleme ) mögen bei Autismus gehäuft auftreten. Vergessen sollten Sie aber nicht, dass es sich hierbei um statistische Aussagen handelt und die haben nur eine Aussagekraft über grosse Gruppen. Auf Grund einer statistischen Wahrscheinlichkeit eine Prognose für ein einzelnes (noch nicht einmal geborenes!) Kind zu stellen ist reine Spekulation. Ich finde es unvernünftig, irrsinnig und unmenschlich, auf Grund einer Spekulation(!) die wohl endgültigste Entscheidung - nämlich die über Leben und Tod - zu treffen, die ein Mensch treffen kann.
Bedenken Sie, in einem solchen Konflikt wird nicht über Fälle, Risiken, Syndrome oder gar Kostenfaktoren für das Gesundheitssystem entschieden, sondern über Menschen! Menschen, die Gefühle haben, Freude kennen, Freunde haben, im Rahmen ihrer Möglichkeiten - wie immer sie aussehen mögen - am Leben Teilnehmen. Menschen, die eine Seele und ein Gesicht haben!
Ich frage mich, ob die Forscher auf dem Gebiet mir wirklich ins Gesicht sagen könnten, dass es Menschen wie mich und damit auch mich nicht geben sollte und dass meine Mutter das hätte “rechtzeitig verhindern” sollen? Hätten die wirklich diesen Mut? Auch in Anwesenheit meiner Angehörigen und Freunde? Es gbt so vieles, was das Leben auch für mich - trotz und mit Autismus - absolut lebenswert macht. Ich kenne viele andere Autisten, die das genauso sehen. Wir haben ein Recht auf unser Leben!
Posted in Allgemein |
Januar 24th, 2009 at 21:25
Hallo Christian
Hat dieser Baron-Cohen sie noch alle?
Der soll mal erst Denken und dann Forschen.
Jeder Mensch hat ein recht auf leben egal wie gesund,krank,behindert,autistisch oder nichtautistisch oder sonst irgendetwas man ist.Das ist gegen die Menschenrechte.
Hoffentlich wird es niemals so einen bescheuerten Test geben.
Unfassbar!!!!
MFG
Kira