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Christian Köhler - Autismus Blog

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Kann sich AS “auswachsen”?

Januar 7th, 2009 by admin

Diese Frage habe ich mir schon früher gestellt, zunächst gab es fast nur Literatur über autistische Kinder. Autismus müsste also entweder tödlich sein oder irgendwie “verschwinden”….

Die Wikipedia schreibt zu dem Thema:

There is some evidence that as many as 20% of children with AS “grow out” of it, and fail to meet the diagnostic criteria as adults.

Es wird also behauptet, AS könnte sich “auswachsen” bzw. nicht mehr feststellbar sein, das wird allerdings relativiert:

As of 2006, no studies addressing the long-term outcome of individuals with Asperger syndrome are available and there are no systematic long-term follow-up studies of children with AS.[5] Individuals with AS appear to have normal life expectancy but have an increased prevalence of comorbid psychiatric conditions such as depression and anxiety that may significantly affect prognosis. Although social impairment is lifelong, outcome is generally more positive than… (Quelle: Wikipedia)

Danach mangelt es noch an fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Das erklärt zumindest den zu Beginn genannten Mangel an Hinweisen in der Literatur über Erwachsene mit Asperger Syndrom, was sich in letzter Zeit allerdings langsam zu ändern scheint. Es wirft allerdings Fragen auf; Ist Autismus “weg”, wenn es nicht mehr möglich ist, die Symptome nachzuweisen? Kann Autismus bei den genannten 20% einfach “verschwunden” sein, wenn die “soziale Beeinträchtigung” doch lebenslang bestehen soll?

Die Vorherrschende Meinung in Diskussionsforen ist, dass man es immer mehr lernen würde, sich bewusst anzupassen, also so zu tun, als sei man nicht autistisch. Ich nehme von anderen berichtete Erfahrungen sehr ernst, meinem Empfinden entspricht das aber nicht. Ich gehöre zu den Menschen, die kaum bewusst versucht haben, sich anzupassen, ich bin oft sogar ziemlich “gegen den Strom geschwommen”. Dennoch hat sich vieles an meiner Situation über die Jahre verbessert, ohne dass ich mich heut stärket bewusst “angepasst” fühle. 

Ein anderer Aspekt, mit dem ich mich eher identifizieren kann, ist das suchen und finden von Nischen. Wer sich gerne mit Details oder mit Technik auseinandersetzt, wird in gewissen Berufen oder auch an Hochschulen durchaus Anerkennung finden, das ist unter Schülern natürlich schwieriger. Das gibt auch persönliche Sicherheit, die in anderen Bereichen nützt. Trotzdem ist das für mich nicht “alles”.

Ich habe oft Berichte gehört, in denen Betroffene “Meilensteine” in ihrer Entwicklung in einem Alter erreicht haben, in denen man damit eigentlich nicht mehr gerechnet hat. Das reicht von ganz elementaren Dingen wie dem Spracherwerb bis hin zur ersten Beziehung.  Kann es sich also doch - zumindest teilweise - “auswachsen”?

Ich glaube, dass die Wahrheit alle diese Aspekte beinhaltet. Autismus ist nicht einfach “verschwunden”, nur weil ein Diagnostiker es irgendwann nicht mehr feststellen kann. Der Betroffene hat dafür vermutlich viel an sich gearbeitet, ob nun bewusst oder unbewusst. Bemerkenswerte Entwicklungen sind möglich, das ist auch ein Grund mehr, die Betroffenen nicht durch Unterschätzung oder durch “antrainieren” eines sehr negativen Bildes von AS in der Entwicklung “auszubremsen”.

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