Asperger Syndrom = Gefühllos?
Diese Behauptung liest man immer wieder. Sie ist wohl eines der grössten Missverständnisse über das Asperger-Syndrom.
Dieser Eindruck entsteht vielleicht, wenn ein kleines Kind schreit und sich nicht beruhigt, wenn man es in den Arm nimmt. Oder wenn ein etwas grösseres Kind es nicht zu merken scheint, dass die Menschen drumherum traurig sind. Vielen Autisten wird auch nachgesagt, sich eher mit Mathematik als mit anderen Menschen zu beschäftigen.
Kann man aus solchen Beobachtungen wirklich auf das “fehlen” von Gefühlen schliessen? Oder darauf, dass diese Menschen so sind, weil ihnen in früher Kindheit selbst keine Gefühle entgegen gebracht wurden? Letzteres war früher gängige Lehrmeinung (”Kühlschrankmutter”). Dieser ungerechtfertigte Vorwurf ist heute zum Glück veraltet - Die Einschätzung, dass Autisten keine (oder weniger) Gefühle hätten, findet man hingegen noch oft.
Aber kann das sein, rein logisch? Meiner Meinung nach nicht. Für viele ist das grösste Problem doch gar nicht der Autismus selbst, sondern Folgeprobleme: Depressionen, Ängste, Einsamkeit, Wut. Aber all dies sind doch sehr emotionale Reaktionen! Ist es dann nicht zu erwarten, dass in gleichem Masse und in gleicher Intensität auch positive Emotionen gelebt werden können? Bestimmt ! Wenn es dem Menschen nur ermöglicht wird, entsprechend am Leben teilzunehmen ohne ihn zu überfordern….
Es ist ein grober Fehler, Autismus mit Gefühllosigkeit in Verbindung zu bringen - leider geschieht das auch heute oft in den Medien, wenn “einsame” Handlungen als “autistisch” bezeichnet werden. Das wird den Menschen nicht gerecht.
Posted in Allgemein |