Schmutzkampagne gegen Selbsthilfeforen
Autismus Oberbayern e.V. (Regionalverband von Autismus Deutschland e.V.) veröffentlichte in seinem “Rundbrief” vom Juli 2008 einen Artikel, in dem er Eltern vor Autismusforen im Internet warnt auf eine Art, die so undifferenziert ist, wie man es sonst von der Boulevardpresse kennt…
Es beginnt mit einem Teil, der die öffentliche Verunsicherung bezüglich neuer Medien nutzen soll und bei Eltern wohl ein diffuses Misstrauen verstärken soll:
Durch die Anonymität solcher Treffen im Internet ist nie sicher, ob ein Teilnehmer wirklich selbst betroffen ist, oder dies nur vorgibt, um Verunsicherung zu verbreiten.
In weniger gravierenden Fällen werden Teilnehmer massiv angegriffen, welche der „gängigen“ Einschätzung des eigenen Behinderungsbildes widersprechen.
Weiter geht es mit der Darstellung (angeblicher) Extremfaelle, um das Gefühl der Angst noch zu verstärken. Dabei gibt es keine Angabe darüber, wie oft dies vorgekommen sei und ob es überhaupt um Foren aus dem deutschsprachigen Raum geht. Durch nicht Nennung einer Quelle will man wohl auch eine Überprüfung unmöglich machen und auch erreichen, dass niemand ein Recht auf Gegendarstellung (§10 Medienstaatsvertrag) in Anspruch nehmen kann:
In einigen Fällen ist dies radikal eskaliert: So wurden Teilnehmer zur Selbsttötung
aufgerufen und dazu sogar eine ausführliche Anleitung gegeben.
Am Schluss folgt ein Aufruf an die Eltern, sie beim surfen auf derartigen Angeboten zu begleiten.
Wenn Ihr Kind sich an Diskussionen im Internet beteiligt, dann begleiten Sie dies kritisch und besuchen Sie auch selbst diese Foren, um solchen Dingen entgegen wirken zu können.
Natürlich sollten Eltern sich informieren, was ihre Kinder im Internet so “treiben”. Hier scheint mir aber das Ziel zu sein, dass die Eltern sich nicht damit befassen, sondern schlicht und einfach verbieten.
Es ist offensichtlich nicht gewünscht, dass sie Betroffene selbst und gegenseitig helfen. Der Verein weist nicht einmal auf die Existenz (und schon gar nicht auf die Links) von seriösen Foren hin. Das wäre für mich ein konstruktiver Umgang mit dem Thema gewesen. Es gibt Foren, die die Identität dr Teilnehmer prüfen und Entgleisungen der beschriebenen Art werden bei seriösen Anbietern auf keinen Fall geduldet.
Es stellt sich die Frage, wie weit die Seiten von Autismus Deutschland (und Oberbayern) selbst überhaupt für autistische Kinder geeignet sind. Sie werden dort in jedem zweiten Satz als “behindert” oder “unterlegen” dargestellt, sie lesen, dass durch die - durch ihre Andersartigkeit verursachten- Probleme ihren Eltern und Geschwistern geholfen werden müsste und sie werden schon einmal auf ein Leben mit Therapien in Förderschulen und Heimen eingestimmt.
Das ganze ist FUD (”Fear uncertainty and doubt”). Mehr über diese Art des Vorgehens in Politik und Merketting siehe im Wikipedia Artikel über FUD. Leider funktioniert diese Taktik oft sehr gut, aktuelles Beispiel ist auch die “Terrorbekämpfung”, bei der diffuse Ängste gezielt zur Durchsetzung anderer Interessen genutzt werden.
Den Originalen Artikel von Autismus Oberbayern gibt es hier zm Abruf. Dort unter “Rundbrief Juli 2008″.
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