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Christian Köhler - Autismus Blog

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“Komische Fragen”

Juli 16th, 2008 by admin

Eine kleine Geschichte aus meiner Kindheit. Wie ist es, wenn man allmählich merkt, dass man “irgendwie anders” ist und die Fragen nicht beantwortet werden können…?

Wir waren mit unserer Grundschulklasse auf einer Klassenfahrt in Gemünd in der Eifel, es war in der dritten Schulklasse. Dieses “Wir” war für mich nur schwer fassbar. Zwei gute Freunde hatte ich in der Klasse, mit den anderen hatte ich nicht viel zu tun und ich habe auch nie gerne etwas mit mehreren Leuten gleichzeitig unternommen.
Umso seltsamer fand ich, dass die anderen anscheinend genau daran Freude fanden. Sie spielten Fussball, ich sass am Rand daneben und beobachtete das Geschehen. Nein, mitgespielt hätte ich zumindest freiwillig nicht. Dem stand nicht nur meine Ungeschicklichkeit im Wege, wegen der mich wohl auch niemand in seine Mannschaft gewählt hätte, sondern mir war das Geschehen viel zu unübersichtlich. Wenn ich denn mal den Ball hatte, wusste ich oft nicht, was ich damit anfangen sollte. In all dem Gewimmel hatte ich nie einen Überblick, wo “meine Leute” sind. So beförderte ich denn Ball dann allzu oft ins Aus oder - noch schlimmer - geradewegs zum Gegner.
Genau so ging es mir durch den Kopf, als ich alleine am Rand dabei sass. Ich fragte mich, warum macht denen das Spass? Es spielten ein par Leute mit, die nicht viel sportlicher waren als ich, und trotzdem lange mitspielten. Nur an der Leistung lag es also nicht. Also musste das Spiel für “die” irgendwie anders sein als für mich? Aber wie kann das sein, es ist doch das gleiche Spiel? Irgendwie waren aber auch alle anderen Spiele mit vielen Leuten für mich kein Spass - selbst wenn es gar nicht um Sport ging.

Spielten sie also doch nicht das gleiche Spiel wie ich?

Schliesslich fragte ich die Lehrerin. Ich fragte sie, warum das Spiel für die anderen anders ist als für mich. Und wie es für die denn ist, wollte ich wissen. Anscheinend wusste sie nicht weiter. Schliesslich sagte sie, ich sollte einfach mitspielen und nicht so “komische Fragen” stellen.

Also spielte ich mit und versuchte mein Bestes zu geben. Eine Antwort auf meine Frage habe ich so natürlich nicht gefunden. “Komisch” war die Frage für mich auch nicht, sie war mir wichtig. Und wer sollte einem auch Fragen beantworten, wenn nicht die Lehrerin?

Heute weis ich, dass es diesen Unterschied wohl wirklich gibt. Aber eine richtige Antwort auf die Frage kenne ich bis heute nicht.

Posted in Allgemein, Autismus - Beispiele und Geschichten |

3 Responses

  1. kira.k aus.v Says:
    Januar 17th, 2009 at 22:50

    Hallo Christian
    So wie es dir auf der Klassenfahrt ging, so ähnlich war es bei mir auch.In der Schulzeit in den Pausen haben die anderen immer Völkerball gespielt und hatten anscheint freude dran ich habe das auch nie verstanden. Ich habe oft dumm daneben gestanden.
    Zu meiner Person, Ich bin Kira und habe den verdacht ein Aspie zu sein. Das ich “anders” bin weis ich schon sehr lange zeit.Eine meiner wenigen Freunde meinte vor ca. 1 jahr zu mir ich würde mich sehr autistisch verhalten. Darüber habe ich mir viele gedanken gemacht, alles über Autismus gelesen und gesehen was ich im Internet gefunden habe und mir die selbst Diagnose Asperger Syndrom gegeben.
    Dein Video war auch sehr interesant ich habe es schon oft gesehen. mfg kira

    Ps: Wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten.

  2. Silvia Says:
    Juni 5th, 2009 at 22:41

    Hallo,
    ich heiße Silvia und kann dich gut verstehen. Ich hab auch die Vermutung, dass ich ein Aspie sein könnte.

    Ich fühle mich nicht wohl unter vielen Menschen. Ich habe 3 gute Freunde und mehr brauche ich auch nicht. Um ehrlich zu sein vernachlässige ich meine Freunde sogar ein wenig, weil ich gerne alleine bin.

    Ich habe schon viele Selbsttests im Internet gemacht und jedes mal heiß es ich KÖNNTE ein Aspie sein. Aber wo ist die Grenze? Kann ich nicht auch einfach ein “normaler” Mensch der sich in Gesellschaft unwohl fühlt?? Vielleicht bin ich einfach nur ne Einzelgängerin?? Oder ich hab einfach nicht genug Selbstwertgefühl??

    Ich bin verwirrt :-(

  3. admin Says:
    Juni 7th, 2009 at 10:09

    Hallo Silvia,

    auf deine Frage kann ich leider nur eine Antwort geben, die dich wohl nicht befriedigen wird:
    Die Grenze ist dort, wo der Diagnostiker sie setzt. Ich kenne Menschen, die haben von einem Diagnostiker eine
    Diagnose auf AS bekommen, von einem anderen nicht. Die Diagnoseverfahren und Definitionen sind voll von
    unscharfen Kriterien und subjektiven Formulierungen.
    Wann ist eine Sprachverzögerung “klinisch relevant”? Wann ist ein Sozialverhalten “unangemessen”?
    Wann sind Kontakte “nicht altersgemäss”? Das könnte man beliebig fortsetzen.

    Dir bleibt aber auf jeden Fall die Erkenntnis, dass es zwischen Schwarz und Weiss immer auch ein Grau gibt.
    Selbst wenn ein Psychiater zu dem Schluss kommen sollte, dass du zwar “autistische Züge”, aber nicht “genug” für eine
    klare Diagnose hast, dann ist das eine Erkenntnis, die dir persönlich im Leben sehr viel nützen kann. Du brauchst dich dann nicht
    mehr “seltsam” fühlen, denn du bist einfach so!

    Gruss
    Christian

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