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Christian Köhler - Autismus Blog

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Asperger Diagnose als “Mitgliedsausweis im Club?”

April 14th, 2010 by admin

In verschiedenen Gruppen,  im Internet oder auch im “wahren Leben” gab es  in den ganzen 5 Jahren, in denen ich mich nun mit diesem Thema beschäftige -und vermutlich noch viel länger- immer wieder Diskussionen, ob AS nun eine “Modeerscheinung” sei und wer sich als Asperger Autist bezeichnen dürfte…Es ist schon eine schwierige Frage, wann ist jemand Asperger Autist, wo das Syndrom doch über Merkmale definiert wird, von denen viele (fast jeder?) zumindest einige bei sich wiedererkennen kann. Theoretisch ist die Antwort, dass es die “Summe” oder die “ungewöhnliche Häufung” der Merkmale macht. Aber wer kann das abgrenzen?

Es gibt bestimmte allgemein anerkannte Diagnostiker zum Beispiel an Unikliniken. Einige wollen sich aber aus verschiedenen Gründen nicht untersuchen lassen, zum Beispiel weil sie Angst vor Stigmatisierung haben. Dann gibt es einige, für die das ganze Verfahren mit seinen Formalitäten, langen Wartezeiten und weiten Anfahrtswegen eine grosse Belastung ist. Auch das ist verständlich, stellen Sie sich vor, sie hätten Zahnschmerzen und müssten für einen Termin 6 Monate warten und 150 Kilometer Auto fahren…

Wieder andere haben sich untersuchen lassen, vielleicht sogar mehrfach und waren mit dem Ergebnis “nicht zufrieden”. Ihnen wurde gesagt, sie hätten kein Asperger Syndrom, obwohl sie selbst davon ausgehen. Oft werden die Diagnosen nicht überzeugend begründet und viele denken auch, dass sie über die Zeit gelernt haben, zu kompensieren, so dass man es ihnen so schnell nicht anmerken könnte. So haben sie das Gefühl, man hätte sich nicht genug mit ihnen auseinandergesetzt. In solchen Fällen wird es ganz schwierig. Manchmal können sogar die Diagnostiker kein eindeutiges Ergebnis geben.

Dieser Weg ist also lang und nicht einfach. Viele sind sehr verunsichert.

Wegen dieser Verunsicherung haben eigentlich alle Diskussionsforen zu dem Thema die klare Regel, dass man nicht von jemand anders (vor allem jemand, den man nicht kennt!) behaupten darf, sein Verdacht, AS zu haben sei nicht richtig. Diese Regel finde ich gut und sinnvoll.

Wenn dies dann doch geschehen ist, gab es fast immer Probleme. Manchmal wurde “du hast keine Diagnose” dann sogar als letztes Argument im Streit verwendet. Das finde ich ziemlich unfair.

Ich sah mich solchen “Vorwürfen” sogar trotz offizieller Diagnose schon ausgesetzt, weil ich der Vorstellung, die gewisse Kreise von dem Syndrom haben (eingeschränkt, behindert, unselbständig) nicht entspreche.

Die Diagnosen dienen dazu, einen Verdacht zu erhährten. Sie sind nicht die Berechtigung, über das Thema sprechen zu dürfen und auch kein “Mitgliedsausweis im Club”.

Posted in Allgemein |

3 Responses

  1. Björn Says:
    April 16th, 2010 at 17:36

    Hallo!

    Ich selbst habe das Asperger Syndrom und meide die entsprechenden Foren, weil ich mich mit kaum einem Standpunkt identifizieren kann.

    Viele Aspies scheinen tatsächlich zu glauben, dass sie einem elitärem Club angehören, was ich nicht nachvollziehen kann. Hätte ich die Wahl, könnte ich gut darauf verzichten. Auch wenn mein Leidensdruck sich in Grenzen hält, da ich gelernt habe, mich im Leben einigermaßen zurecht zu finden.

    Andere erscheinen mir so, dass sie im Leben einfach nicht zurecht kommen und fast schon verzweifelt hoffen, in diesen “Club” aufgenommen zu werden, obwohl sie nun einmal kein Aspie sind. Manche werden ja geradezu zornig, wenn man ihnen nicht die “gewünschte” Diagnose stellt.

    Solche Diskussionen habe ich auch schon in manchem Forum verfolgt und halte sie für wenig zielführend.

    Diese Seite ist übrigens sehr informativ, da sie mir geholfen hat, einige Vorurteile abzubauen. Viele erwarten von mir, dass ich ungewöhnliche Dinge kann, weil ihnen die Medien permanent ein komisches Bild von Menschen mit dem Asperger Syndrom vermitteln. Andere glauben kaum, dass ich autistisch bin, weil ein autistischer Mensch in ihrem Weltbild irgendwo allein in der Ecke sitzt und die Wand anstarrt. Das auf dieser Seite gezeigte Video ist da hilfreich, ebenso die Artikel.

    Gruß
    Björn

  2. admin Says:
    April 21st, 2010 at 07:46

    Hallo Björn,

    vielen Dank für das Lob.

    Ich finde es nicht richtig, sich auf Dauer zu sehr in dieses Thema “hineinzusteigern”. Eine gewisse Zeit lang (vor und nach einer eventuellen Diagnose) passiert das vielleicht jedem, aber irgendwann sollte man davon auch wieder weg kommen. Das Leben geht einfach weiter und hat andere Inhalte.
    Eine Zeit lang habe ich mich auch sehr in das Thema gesteigert, vor allem auf die negative, selbstzerstörerische Art. Jetzt treffe ich lieber meine Freunde oder ich gehe zum Speedskating Verein. Im Oktober bin ich zum ersten mal Marathon gefahren (und geschafft). Aber wenn die anderen im Verein viel bessere Zeiten fahren, dann sehe ich den Grund eben nicht motorischen Problemen wegen AS. DIe Leute haben einen jahrelangen Vorsprung im Training oder manche haben vielleicht allgemein einfach bessere körperliche Voraussetzungen.

    Für mich persönlich ist AS weder Behinderung noch “Elite”. Es spielt eine wichtige Rolle in meinem Leben, aber es hat keinen SInn, dauernd zu fragen, was ist AS und was ist “der Rest von mir”? Persönlich Umgang haben möchte ich mit Menschen, die ich mag und die mich mögen. Dabei spielt doch eine Diagnose keine Rolle…

    Mich freut, dass du mit dem Thema gut klarkommst. Ich wünsche Dir alles Gute!

    Christian

  3. Andrea Says:
    Juli 8th, 2010 at 13:55

    Hallo Christian,

    da liege ich gestern abend unweit von der Talstrasse in meinem Blankensteiner Bettchen und höre auf WDR 5 Leonardo beinahe meine eigene Lebensgeschichte! Na, da ist aber ein ganz lieber Gruss fällig!

    Nur kurz über mich: 47 Jahre alt, Asperger-Diagnose vor 2 Jahren von der Uni-Klinik Köln bestätigt, nachdem eine ortsansässige Neurologin, die mich jahrelang wegen diverser psychischer Störungen, Auffälligkeiten, Krankheiten, wie auch immer, Asperger diagnostizierte.
    Damit konnte ich aber nicht leben, da sich meine Vorstellung von Autismus auf stumpfsinnige Kinder, die ständig mit dem Kopf gegen die Wand schlagen, beschränkte. Ich wollte eine zweite Meinung und sie hat mich an die Uni-Klinik Köln überwiesen.
    Ein Jahr hat es gedauert, bis ich diese Diagnose verarbeitet hatte, seitdem ist sie einfach nur eine Erleichterung.
    Vielleicht wäre es mir mit Seiten wie dieser schneller gelungen, mich zurechtzufinden, aber ich fand nur Foren, in denen es darum geht, zum “Club” zu gehören oder nicht, in denen verbal aneinander herumdiagnostiziert und das Thema “habe ich nun Asperger oder nicht” zum Mittelpunkt der Welt wird.
    Das ist nicht mein Ding. Ich bin froh, dass ich endlich eine Erklärung für meine Schwierigkeiten habe, in etlichen Jahrzehnten konnte ich mir auch für viele Situationen Strategien aneignen; des öfteren tappe ich immer noch in irgendwelche Fallen, aber das geht anderen Menschen wohl ähnlich.
    Ob Asperger jetzt Mode wird oder nicht, ist mir völlig egal, solange es Menschen gibt, denen aufgrund der Diagnose endlich geholfen werden kann, mit sich ins Reine kommen.

    Viele Grüße!
    Andrea

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