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Christian Köhler - Autismus Blog

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Veranstaltung zum Thema Mobbing im ATZ Hilden

August 22nd, 2009 by admin

Am Freitag, den 21. August 2009 nahm ich an einer Veranstaltung zum Thema Mobbing im Autismus Therapiezentrum in Hilden teil. Dort wurde zunächst der Film Ben-X vorgeführt, danach berichteten Eltern von Kindern mit dem Asperger Syndrom über ihre Erfahrungen und die Erfahrungen ihrer Kinder mit Mobbing in der Schule. Ein Psychotherapeut hielt einen Vortrag zu dem Thema und schliesslich gab es eine Diskussion. Am Ende verliess ich die Veranstaltung mit eher gemischten Gefühlen…Ich finde es sehr wichtig, dass dieses Problem thematisiert wird. Meine eigenen Erfahrungen waren zum Glück nicht so schlimm, wie das, was von den Eltern dort berichtet wurde. Zwar wurde ich einige Jahre von Mitschülern nicht unbedingt “nett” behandelt, aber Berichte über z.B. fünf Schulwechsel innerhalb von vier Jahren schockierten ganz schön.

Noch viel schlimmer finde ich aber, dass der Umgang der Mitschüler (und zum Teil gar der Lehrer) in vielen Fällen zum wesentlichen Entscheidungskriterium für die Wahl der Schule und damit auch für die weitere Laufbahn wurde. In der Hoffnung, dass ein günstigeres Zahlenverhältnis zwischen Schülern und Lehrern und damit kleinere Klassen Entlastung bringen würden, endete dies für viele auf Förderschulen. Kinder mit dem Asperger Syndrom haben normale geistige Fähigkeiten, so ist das Syndrom definiert. Förderschulen bieten aber selten mehr als die Möglichkeit für einen Hauptschulabschluss (wenn überhaupt). Letztlich haben die Mobber gewonnen, sie sind den unliebsamen Klassenkameraden los geworden und dessen Lebensperspektiven haben sich deutlich verschlechtert. Das ist ein deutlicher Ausdruck von Resignation. Eine Mutter sagte: “Den Realschulabschluss kann man immernoch machen”. Leider ist aber schon für “normale” Kinder unser Schulsystem “von oben nach unten” viel durchlässiger als andersherum. Abendgymnasien haben sehr hohe Abbrecherquoten und auch dort kann Mobbing ein erhebliches Problem sein, ich habe von AS betroffene Bekannte, die das persönlich erleben mussten!

Sehr positiv fand ich, dass betont wurde, dass Kinder mit AS “stark gemacht” werden sollen, um weniger Angriffsfläche zu bieten.

Völlig gefehlt hat mir aber ein Thema: Die Vorbereitung auf das Berufsleben. Auch dort gibt es Mobbing und dann ist der Betroffene dem alleine ausgeliefert. Über Erwachsene wurde bei der Veranstaltung nur gesprochen, wenn sie in Einrichtungen leben und in Behindertenwerkstätten arbeiten, das ist aber nicht die Lebenswirklichkeit für viele Betroffene.

Es waren mehrere erwachsene Betroffene aus der Selbsthilfegruppe Wuppertal bei der Veranstaltung. Etwas schade fand ich, dass niemand über seine persönlichen Erfahrungen berichtet hat. Allerdings habe ich dafür auch Verständnis, das ist ein heikles und persönliches Thema. (Nachträgliche Anmerkung: Das bezieht sich auf die vorbereiteten Beiträge. An der anschliessenden Diskussion waren Betroffene beteiligt.)

Ich habe lange vorher überlegt, ob ich zu dieser Veranstaltung gehen soll, meine Angst war, dass es zu bedrückend sein könnte. Das war es zum Glück nicht. Als ich nach Hause fuhr, waren meine Gefühle sehr gemischt.

Posted in Allgemein |

3 Responses

  1. Sabine Says:
    August 23rd, 2009 at 13:24

    Hallo Christian,

    mir hat die Veranstaltung insgesamt auch sehr gut gefallen. Ein wenig Angst hatte ich allerdings im Vorfeld schon davor, dort über unsere Schulerfahrungen zu sprechen, aber ich fand es auch wichtig klar zu machen, dass der Film “Ben X” keineswegs nur Fiktion ist, sondern leider alltägliche Realität.

  2. carsten Says:
    September 1st, 2009 at 18:26

    hallo christian,
    das thema schule ist wahrscheinlich zu komplex um es an einem tag zu behandeln. dann würden auch die anderen themen zu kurz kommen. aus meiner eigenen schulzeit weiß ich wie schwierig und zum teil deprimierend es sein kann immer aussen vor zu stehen. ich selbst und meine eltern wären nie auf die idee gekommen das daran eine form von autismus schuld sein könnte. meine diagnose bekam ich erst im letzten jahr, im alter von 36. bei meiner tochter (11) ist es zumindest dadurch etwas einfacher, das sie ihre diagnose schon hat und dadurch alle erdenkliche, schulbegleitende unterstützung bekommt. es ist nur leider immer noch eine sisyphos-arbeit anderen menschen klar zu machen das bestimmte verhaltensweisen nicht beabsichtigt sind und ihnen jedesmal gebetsmühlenartig zu erklären was A.S. bedeutet. für die meisten menschen ist es unverständlich das jemand der oberflächlich betrachtet so “normal” wirkt, schwerbehindert ist. die akzeptanz fehlt noch.

  3. admin Says:
    September 6th, 2009 at 18:58

    Hallo !

    Meiner Meinung nach geht es nicht darum, dass andere eine Behinderung wahrnehmen und verstehen. Das Problem liegt viel tiefer. Warum erlaubt Schule (und die Gesellschaft drum herum) nicht, dass jemand “anders” ist und versucht ihn immer zu verändern? Warum wird Anders-sein nur zugelassen, wenn ein Spezialist Brief und Siegel darauf gibt, dass dieser Mensch nicht anders sein _kann_ ?

    Christian

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