Kann Autismus nachlassen?
Laut dem Englischsprachigen Wikipedia Artikel gibt es Grund zu der Annahme, dass AS sich bei etwa 20% der Betroffenen “auswachsen” würde, dass sie als Erwachsene ab einem gewissen Alter die Diagnosekriterien nicht mehr erfüllen. Hierzu schreibe ich meine persönliche Sicht und bin auch sehr an der Meinung anderer interessiert…
Ist Autismus unveränderlich?
Diese Ansicht ist weit verbreitet, auch unter Betroffenen. Sie wird natürlich auch dadurch gestützt, dass im Allgemeinen genetische Ursachen angenommen werden. Gene werden heute oft als eine “moderne Form des Schicksals” angesehen. Was in den Genen steht, ist nicht zu ändern. Teilweise nimmt es schon kuriose Formen an, da ist die Rede von Genen, die einem zum Übergewichtigen oder zum Raucher machen sollen. Spätestens an diesem Punkt sollte man anfangen zu fragen: Wer nie eine Kippe in den Mund steckt, wird auch nicht zum Raucher! Bei Autismus ist das sicher nicht so einfach, aber auch hier sollte die Frage, ob wirklich alles so festgelegt ist, erlaubt sein.
Ein “Autismus Lebenslauf”
Letzte Woche habe ich mir die Mühe gemacht und für mich persönlich eine Art “Lebenslauf” erstellt. Auf einem grossen Blatt schrieb ich die Lebensjahre von 17-31 an den Rand und daneben Stichworte über die Situation, über meine Aktivitäten, die Personen, mit denen ich Kontakt hatte und wichtige Ereignisse. Für mich war ein ganz eindeutiger Trend erkennbar über all die Jahre: Kontakte mit anderen wurden immer intensiver, neue Formen von Kontakten kamen hinzu. Interessen wurden vielfältiger und sind nicht länger auf Wiederholung ausgerichtet. Plötzliche Veränderungen brachten mich weniger aus dem Gleichgewicht und auch meine Wahrnehmung des eigenen Körpers wurde besser, ich begann mit Sport und wurde in vieler Hinsicht aktiver. Blickkontakte muss ich nicht länger erzwingen, sondern sie helfen mir sogar und sind manchmal auch angenehm! ich hatte oft das Gefühl, in wichtigen Dingen und Phasen “versagt” zu haben, der Lebenslauf hat mir sehr geholfen, davon los zu kommen, das war auch der eigentliche Grund, ihn anzufertigen.
Ein interessantes Treffen
Neulich unterhielt ich mich eine längere Zeit persönlich mit einer Frau, die ich vorher nicht kannte (Internet Kontakt). Sie erzählte mir von ihrem Beruf als Sonderschullehrerin und auch, dass sie mit Kindern mit dem Asperger Syndrom zu tun hat. Ich sagte ihr nichts, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass sie nicht gemerkt hat, “wer” ihr gegenüber sass und wer stundenlang mit ihr gesprochen und in die Augen geschaut hat. Es war ein tolles Gefühl.
Mein Fazit
Ja, ich bin heute immernoch Autist. Aber längst nicht mehr so wie vor 5 Jahren und schon gar nicht so, wie vor 10 Jahren. Ob mir jemand in ein par Jahren noch die Diagnose stellen würde? Keine Ahnung. Ich kenne Menschen, die etwas älter sind als ich und bei denen die Anamnese deutlich auf Autismus hinweist, denen aber dennoch keine Diagnose (mehr?) ausgestellt wurde.
Diskussion
Ich stellte das Thema in einem Forum zur Diskussion. Es trat der - sonst sehr seltene- Fall ein, dass ich mit meiner Ansicht ziemlich alleine da stand. Praktisch alle anderen dort, bestanden darauf, dass es sich nicht ändert und “Fortschritte” nur durch “Schauspielerei” oder günstigere Bedingungen möglich wären oder dass es nur “Selbstbetrug” wäre. Dennoch bleibe ich dabei, zumindest bei mir gab es eine Veränderung.
Ihre Meinung?
Es würde mich freuen, wenn Sie die Kommentarfunktion nutzen, um mir ihre Sicht mitzuteilen! Inzwischen lesen hier auch einige Fachleute mit, deren Meinung interessiert mich auch - natürlich neben der von Betroffenen! Ich möchte noch kurz darauf hinweisen, dass Kommentare erst sichtbar werden nach Freischaltung. Das ist keine “Zensur”, sondern liegt daran, dass die Kommentarfunktion leider massiv für Spam missbraucht wird.
Posted in Allgemein, Autismus - Beispiele und Geschichten |
Juni 12th, 2009 at 20:57
Hallo Christian
Ich glaube das es bei jedem anders ist.
Wenn ich so drüber nachdenke fallen mir heute auch einige dinge leichter als früher in der Kindheit oder Jugend.
z.B ins Geschäft gehen und etwas kaufen ist früher garnicht für mich in frage gekommen (die vielen Menschen) heute ist es selbsverständlich.Es gibt aber auch dinge die mir wohl immer schwer fallen werden. Gruss Kira
Juni 15th, 2009 at 15:12
Hallo Herr Köhler,
die Frage, ob Entwicklung bei Menschen mit einer Störung des Autismus-Spektrums (auch bezüglich der Symptomatik) möglich ist, möchte ich als Therapeut mit einem klaren „Ja“ beantworten – welchen Sinn hätten sonst Therapien?
Allerdings muss man hier verschiedene Aspekte betrachten. Zum einen: „Entwicklung“ bedeutet nicht „Verschwinden“. Ich glaube nicht, dass es möglich ist, eine ausgeprägte autistische Symptomatik insofern zu reduzieren, dass sie für den Betroffenen selbst nicht mehr „spürbar“ wäre. Dennoch ist viel Entwicklung möglich, auch jenseits rein kompensatorischer „so-tun-als-ob“-Versuche. Ihre eigenen im Blog beschriebenen Erfahrungen sind gute Beispiele dafür, wie sich Fähigkeiten entwickeln und im Alltag auswirken können.
Wie weit dies geht, dürfte von Mensch zu Mensch verschieden sein und von verschiedenen Faktoren abhängen, u.a. von der Umwelt und von sonstigen Eigenschaften des Betroffenen – schließlich ist niemand „in erster Linie Autist“, sondern jede(r) ein Mensch mit vielen Eigenschaften – wovon eben diejenigen, die zu einer Diagnose führen, nur einige sind.
Vergleichen lässt sich dies vielleicht am ehesten mit einer Sehstörung: Oftmals ist „das Problem“ am Auge nicht operativ zu beheben oder sonst wie zu „reparieren“. Mit einer entsprechenden Sehhilfe kann man aber im Alltag besser sehen und ist unter Umständen nahezu uneingeschränkt. Dennoch wird es Situationen geben, in denen man die Brille absetzen muss, in denen diese beschlägt, etc.. Dann wird sich zeigen, dass die zugrundeliegende Beeinträchtigung „nicht ganz weg“ ist. Aber ihre Bedeutung für den eigenen Alltag hat sich verringert.
Was die Frage nach den Genen betrifft, ist dies sicherlich kein Hindernis für Entwicklungsannahmen. Schließlich sind Gene nicht mehr als ein Bauplan, und dessen Ausgestaltung ist vielfältig möglich. Auch eineiige Zwillinge, die exakt den gleichen „Bauplan“ haben, sind ja nicht in jeglichen Interessen, Vorlieben und Persönlichkeitseigenschaften gleich. Und die Neuroplastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, seine Struktur du Vernetzung lebenslang in Reaktion auf die Umwelt und Lernreize zu verändern, ist ein wissenschaftlich unumstrittener Fakt.
Meine obersten Ziele als Therapeut sind immer, mich erstens möglichst effektiv und nachhaltig wieder überflüssig zu machen, d.h. meine KlientInnen in die Lage zu versetzen, mit künftigen Herausforderungen möglichst eigenständig umgehen zu können, und zweitens meinen KlientInnen zu vermitteln, dass sie, wie alle Menschen, persönliche Stärken und Schwächen haben. Manche dieser Stärken mögen sich nutzen lassen, um Schwächen auszugleichen, manche Schwächen werden sich reduzieren lassen, wieder andere werden bleiben – und all das ist in Ordnung, weil menschlich und sozusagen „normal“.
Wie auffällig oder unauffällig jemand von seiner Umwelt erlebt wird, ist demgegenüber zunächst einmal sekundär. Allerdings ist es mit Sicherheit richtig, dass die Möglichkeiten, anhand von Symptomen eine Diagnose zu stellen, individuell verschieden im Laufe der Entwicklung geringer werden können. Nicht umsonst ist innerhalb des „Goldstandards“ der Diagnostik autistischer Störungen dem Altersbereich vom 4.-5. Lebensjahr eine besondere Gewichtung zugedacht, da später eine zunehmende Verschleierung der Symptome aufgrund von verschiedenen Einflüssen angenommen wird.
Ob sich dabei im jeweils individuellen Fall die Zahl der beobachtbaren Symptome soweit reduziert, dass die Kriterien für die Summationsdiagnose „Autismus“ nicht mehr erfüllt sind, ist meiner Erfahrung nach individuell sehr unterschiedlich, meiner persönlichen Meinung nach aber auch eher belanglos. Diagnosen beschreiben Menschen, sie verändern sie jedoch (letztlich) nicht. Dazu gehört auch, dass sich der Grad, zu dem jemand sich selbst beeinträchtigt fühlt, nicht in der Anzahl von Symptomen bemessen lässt. Wie gut ich mit mir und meiner Umwelt klarkomme, hängt sicherlich von mehreren und anderen Faktoren ab.
Mir würde noch einiges mehr zum Thema einfallen, aber ich denke, das wichtigste von meiner Seite ist hiermit gesagt. Schließen möchte ich meinen Beitrag gern mit einem Zitat von Frau Dr. Christine Preißmann, die selbst die Diagnose Asperger-Syndrom erhalten hat:
„Seien Sie kreativ und mutig, haben Sie Geduld. Viele Verbesserungen entwickeln sich erst nach einiger Zeit, und nicht selten zeigen sich dann Fortschritte, die man in ihrer Intensität nie für möglich gehalten hätte. [...] Es wird niemals wirklich leicht werden. Aber vielleicht gelingt es mir eines Tages, meinen eigenen Weg zu finden und ihn trotz aller Widerstände zu gehen. Das wünsche ich mir sehr.“.
In diesem Sinne möchte ich allen Betroffenen und ihren Angehörigen wünschen, dass sie „Ihren Weg“ finden und dabei die Unterstützung finden, die sie sich wünschen.
Herzliche Grüße
JdH
Juni 24th, 2009 at 13:46
Hallo Christian,
ich wuerde gerne etwas zur Basis Deines Artikels beisteuern, dem englischsprachigen Wikipedia. Die meisten Beitrage kommen dort aus den USA und Grossbritanien. In beiden Laendern findet eine vehemente Diskussion statt, ob Autismus/Asperger eine rein genetische Krankheit ist oder ob andere Umwelteinfluesse dazu beitragen, eine genetische Anfaelligkeit zum tragen kommen zu lassen. In einem naechsten Schritt wird diskutiert, ob Autismus “heilbar” ist oder, wie die Anhaenger der “Reinen Genetik” behaupten, die Krankheit per se “von alleine besser wird”. Fakt scheint zu sein, wie neuere Studien belegen, dass ca. 20 % der betroffenen Kinder zu einem spaeteren Zeitpunkt die Diagnose verlieren, also als “recovered” gelten. Wie es dazu kommt und was wirklich das Zusammenspiel der Ausloeser fuer die Krankheit ist, werden die naechsten Jahrzehnte zeigen. Bis dahin muessen alle betroffenen Eltern selbst fuer sich entscheiden, welchen Weg sie mit ihrem Kind gehen wollen.
Juni 26th, 2009 at 10:43
Guten Tag,
natürlich weiss niemand, wie Autismus wirklich entsteht. Vielleicht gibt es sogar mehrere “Typen” oder auch unterschiedliche Ursachen, die zu einem ähnlichen Ergebnis führen können. Für mich bedeutet es aber auch keinen Widerspruch, denn wenn man versteht, warum Autismus zumindest bei einigen Menschen “besser” wird, dann kann man vielleicht Einflussfaktoren bestimmen, die dabei helfen und dieses Wissen auch für die Therapie nutzbar machen. Das halte ich für möglich, egal ob es nun Gene, Umweltfaktoren oder “Zufälle” sind, die Autismus “auslösen”. Wie Herr de Haen schon schrieb, ist und bleibt das Gehirn auch über das Jugendalter hinaus veränderungsfähig (Neuroplastizität).
Gruss
Christian K.
August 1st, 2009 at 21:31
Sehr geehrter Herr Köhler,
Ihre Blog gefällt mir und wirft bei mir eher wieder die Frage auf, was Autismus ist. Wenn mich jemand fragen würde, ob ich Autist bin, würde ich das auch gar nicht beantworten können, allerdings weiß ich eins. Mein Umfeld würde es nicht mitbekommen, wenn es so wäre. Allerdings bin ich recht Overload-gefährdet, habe keine Möglichkeit, wahrgenommenes Auszublenden, habe die typischen Gewohnheiten, wie bestimmte Handbewegungen, die ich gerne vollführe, lieb gewonnene Ticks, keine Rituale, mit denen ich Zwängen vorbeuge, die dummerweise einen Sinn hätten und somit von mir nicht effektiv bekämpft werden können. Dann liebe ich Muster, Strukturen und Systeme, sie sind mein Spezialinteresse und es ist mir egal, wo und wie sie auftreten. Kommunikation stellt sich für mich auch als ein System da, mit dem man mit Anderen interagieren kann. Deshalb habe ich auch immer gerne Menschen beobachtet, wie sie interagieren, in welchem Zusammenhang sie zu einander stehen und wie das Verhalten des Einen den Anderen beeinflusst. Deshalb entgeht mir heute keine Änderung in der Metrik des Gesichtes oder der Haltung, die jemand mir gegenüber einnimmt. Macht mich das zu einem Autisten? Ich weiß es nicht. In der vierten Klasse bin ich quasi aufgewacht und konnte sie wiederholen, da mir MCD bescheinigt wurde. Somit kann ich vielen Aussagen sehr gut folgen und weiß, dass es viel mehr Autisten gibt, wenn ich einer wäre.
Der Grund, weshalb ich das hier erzähle ist, damit diese Dramatisierung, die ich immer wieder heraus lese etwas relativiert wird. Es besteht aus meiner Sicht keinen Grund, Jemandem seine Persönlichkeit zu brechen und ihn praktisch zu zwingen, sich zu verstellen. Bisher waren unter ihnen die Vernunftbegabtesten, die ich kenne und die Empfindsamsten. Wenn da jemand sie an den Boden presst und festhält oder sie abrichtet wie einen Hund, dann führt das vermutlich eher zu einem Trauma, wie zu einer Heilung. Abgesehen davon, was soll eigentlich geheilt werden? Eigentlich wäre es sogar eine Idee, ein Handbuch für Autisten zu schreiben, denn alle AS, die ich kenne wissen mit Büchern sehr gut umzugehen, zumindest, wenn ich mir neidvoll die Regale von ihnen ansehe (den bei mir passen keine Regale mehr rein). Das Wissen kann dann durchaus praktisch in Rollenspielen ausprobiert werden. Leider habe ich keine Erfahrung mit LFAs, aber im Allgemeinen reden Autisten mit Autisten, sie haben eine ganz andere Ausstrahlung und können sich vielleicht sogar dann erreichen, wenn einer gerade in seinen inneren Welten beschäftigt ist. Vielleicht sollte man das mal ausprobieren. Ich selber habe schon überlegt, ob ich mit einer versteckten Kamera Menschen aufnehme, mit denen ich zum Beispiel bei einem Geschäftsabschluss, bei einem einfachen Einkauf oder gar bei einem Gespräch, bei dem einem Dinge erzählt werden, die einen zu Tode langweilen. Die Gesichter können dann später ausgewertet, die Ergebnisse von verschiedenen Menschen mit angeeigneter und vererbter Mimikerkennung gegen kontrolliert und dann Videos und Lehrmaterial daraus erstellt werden. Für so etwas denke ich sofort an einige Menschen, die da bestimmt mitmachen würden. Leider müssen Videos nachgestellt werden, weil wir sonst vermutlich bald Theater mit dem Persönlichkeitsrecht bekommen.
Ich könne noch einiges mehr schreiben, mache hier aber lieber mal Schluss, denn die Zeit rast wieder an mir vorbei, wenn ich so auf die Uhr blicke.
Liebe Grüße
SW
September 3rd, 2009 at 20:13
Ich habe selber Asperger und kann auch von meinem eigenen Autismus aussagen, dass er in den letzten Jahren deutlich nachgelassen hat. Mit 12 war es mir nicht einmal möglich, andere Personen zu begrüssen oder zu lächeln, während ich mich heute schon eher wie eine ganz normale 17-Jährige verhalte, wenn man mal davon absieht, dass mein Inneres eher dem einer 19-20 Jährigen entspricht. Als ich vor 2 Jahren das erste Mal herzhaft gelacht hatte (in der Öffentlichkeit), hat mich gleich darauf ein Klassenkamerad angesprochen, dass er das vorher noch nie bei mir gesehen habe.
Natürlich gibt es auch Tage, in denen ich den Autismus deutlicher spüre, als an anderen- doch so schlimm wie mit 12? Bei weitem nicht! Theaterkurse und enge Freunde haben mir mit dem “lernen des Mensch-seins” sehr geholfen- und auch meine Mutter hat mit mir oft Situationen geübt und eingespielt..
Ich hoffe, dass mein Asperger-Autismus noch weiter nachlassen wird!
Liebe Grüsse
N.S.
September 6th, 2009 at 18:55
Hallo N.S.
es freut mich sehr, dass Du Erfolge erreicht hast. Meiner Erfahrung nach hat es nicht viel Sinn, sich dauernd mit gleichaltrigen zu vergleichen. Diese Kategorien (”wie 12″ oder “wie 20″) passen auf uns einfach nicht und das ist okay so. Versuche, in dem AS nicht einen “Feind” zu sehen, der “bekämpft” werden muss. Ich glaube, du bist auf einem guten Weg. Viel Erfolg!
Christian
September 18th, 2009 at 16:02
entschuldigung wenn ich hier rein platze und es kommt mir vor, als sei ich wider von einem fremden stern. ich habe eine sehr wichtige frage für mich an “euch” autisten. ich sage auch zu “normalen” “EUCH”. ich bin heute 37 jahre alt und habe den verdacht ein asperger autist zu sein und das schon immer. ich hatte in den letzten 10 jahren einen rückfall in meine kinder - und -jugendzeit und auch alle körperlichen reaktionen, kamen zurück allerdings nun mehr, mit der mir bewußt werdenden begründung dazu. ich habe ein schweres leben hinter mir und hatte es durch willen und viel arbeit an mir selbst geschafft eigentlich zu den “normalen” zu gehören. es war mir gar nicht bewusst, dass ich mir selbst regeln auferstellt hatte um mein eigenes leben so hin zu bekommen, dass ich mit mir und meinem umfeld zufrieden leben konnte. ich höre immer von den symtomen wie … ungeschicklichkeit, nicht mit anderen reden können, komisches verhalten, andere nicht umarmen können, in sich sein und in seiner eigenen welt leben. nun , das alles traf auf mich zu verbunden mit seltsammen krankheiten die ich, bei mir zu hohen stress bekam in hinsicht auf zwischenmenschlichen bezug. hautausschläge die mit salben nicht heilten sondern erst besser wurden wenn ich mich beruhigte, rackeln tue ich noch heute wenn ich nicht einschlafen kann und krank , war ich immer nur in beziehung, schwach und und ging völlig kaputt. nun, ich könnte ein buch schreiben über meine abnormitäten auch dass ich von manchen menschen zb. sperma eines mannes , ausschlag bekam und wusste, das jener dann nicht zu mir passte. das widerspricht allerdings dem ausspruch, das autisten nicht bezugsfähig wären . ich würde eher sagen, das sie spüren wenn ein falscher umgang mit ihnen geschiet und es nicht passt. oft sprang ich plötzlich zur seite wenn mir jemand zu nahe kam weil ich merkte der hat etwas, das ich nicht vertrage. ich ging damals mit 16 aus dem haus und gänge zum einkaufen waren die hölle für mich… es war sogar peinlich weil ich am ganzen körper zitterte, arztbesuche waren furchtbar weil fremde menschen mich anfassten also wurde ich nicht mehr krank. ich war jahre lang schmerzunempfindlich , konnte nicht mit menschen mitfühlen obwohl ich sehr mitleidig war. …. aber hat das alles etwas mit autismus zu tun? erst mit 27 war ich wirklich gesund und zum erstenmal glücklich. meine haut war gesund, ich fühlte mein leben und glück… allerdings allein denn allein und unabhängig von gefühlen ging es mir immer gut nur das es wenn ich mich auf jemanden eingelassen hatte, ewig dauerte bis ich wider bei mir war. ich möchte eigentlich nur wissen, ob ich zu autisten zähle. es heißt immer, kinder wollten von ihren müttern nicht auf den arm genommen werden. nun dazu muss ich sagen, dass es bei mir umgedreht war. bei meiner mutter, musste ich nie die arme heben um nach einer umarmung zu betteln es war ein natürliches miteinander also habe ich darüber nicht nachgedacht. durch die scheidung meiner eltern kam ich mit fast 6 jahren zu meinem vater und seiner neuen frau die auch 2 kinder hatte und dort, zeigte ich erst …für sie … verhaltensabweichungen weil ich nicht wie ein “normales kind ” funktionierte… tanten nicht umarmte oder nicht wie ein Mädchen war….. nun ich könnte vieles schreiben und wenn sie mich fragen , von ihrer sichtweise aus, wüsste ich sicher auch was ich antworte …. ich bin mir nur jetzt sehr unsicher… ich will nur wissen, ob ich ein asperger autist bin oder nicht und was eigentlich “normal” bedeutet. seit ich 16 war, hatte ich unterleibsprobleme und zum erstenmal im krankenhaus lang ich wegen eines blutsturzes obwohl ich noch nie etwas mit einem mann hatte… mit 21 verlor ich ein kind und hatte dann nur noch probleme. dauerblutungen über jahre hinweg die sich kein arzt erklären konnte, polypen, eine zyste völlige hormonprobleme. die ärztin sagte immer, dass meine gebärmutter richtig gut aussah nur eben immer mit dem schleim umhüllt war der kurz vor einer normalen periode entstand als ob sie sich schützen wollte. es war zum wahnsinnig werden für mich damit zu leben aber irgendwann ignorierte ich das und nahm es an. ich wollte mit aller macht gesund werden und normal. schon als kind hatte ich das immer versucht. aber je mehr ich mich anstrengte, desto schlimmer wurde alles. unter menschen konnte ich eigentlich gut auskommen aber mit einer inneren distanz. schulisch war ich gut , schloß die berufsschule mit 1,5 ab aber was ich da gelernt hatte , hatte ich mechanisch gelernt und nur auswendig allerdings, gab es fächer in dene ich schon immer eine 1 hatte sie nur nie so anwandte, wie ich es eigentlich sollte und es von mir verlangt wurde. im aufbau meines lebens jedoch, wandte ich sie genial, unbewusst an und stehe nun besser als manch anderer mensch da. ich weiß, dass ich immer emotional reagierte … einfach in allem und kann dem autismus, wenn es denn sowas sein sollte, verdanken, das ich keine typischen menschenwege einschlug die mir so oder so , schon immer die hölle bedeuteten. ja ich lebe allein und will das nun auch bleiben denn der stress ist für mich lebensgefährlich und ich will auch nicht wider körperlich zusammen brechen. damals , kam ich mir vor, als ob ich 2 menschen wäre … ein sehr schwacher und ein sehr starker der den schwachen immer wider hoch zog. ich war ein überdurchschnittlich guter sportler schon ab 3 jahren, konnte sehr gut malen. … auch musikalisch, erlernte ich auf instrumenten die grundgriffe sehr schnell … ich machte nur nie weiter. in meiner jugendzeit, kam ich ohne musik nicht klar, ich lernte sogar nur mit musik im hintergrund. verstanden hatte ich die welt noch nie erst als ich wissen wollte ob ich beziehungsmäßig so kann, wie es “normale” sagten und taten begriff ich die gesamte menschheit und brach völlig ein … aber anders als andere, kam ich nicht in behandlung , ging zwar zu einem therapeuten weil ich einen termin, brauchte… ein muss-ding um das zu überleben aber entließ mich nach 5 sitzungen mit den worten, dass ich gehen solle weil sonst er mich zahlen müsse …. die situation also umgedreht war. ich schrie alle an… war aggresiv und begann zu kämpfen allerdings klappte im alltag nichts mehr und die hautausschläge, schlafstörungen, weinkrämpfe kamen zurück….. ich zwang mich nur noch zur arbeit weil ich ja meinen leben finanzieren musste aber auch in der arbeit flogen nun die fetzen……. und ich ging als sieger dabei hervor. ich bin noch immer menschenscheu und lasse nun gleich niemanden zu nah an mich heran und meine tür bleibt zu aber ich denke, dass das eigentlich normal ist ich nur zur überzeugung darüber kam. normale menschen lassen sich scheiden … ich verstand nie die beziehungsprobleme denn wenn ich liebte und liebe , mache ich diese fehler nicht. auch gegenüber meinen eltern denke ich, dass ich nichts falsch machte denn nebst meines eigenen lebens könnte ich ihr leben weiter führen. alles hat sich nach meinen emotionen ergeben und entwickelte sich ….. allerdings habe ich nun zu niemanden mehr kontakt und finde das nicht schlimm. ich denke, es gibt keinen autismus weder von geburt an noch später entstehend …. umgang formt den menschen und wie in der natur, ist es die biochemie, die verbindet. ich finde , es ist nur normal wenn man nicht alle menschen in den arm nehmen kann und will und es ist normal, dass man auf distans bleibt denn wirklich nah und sich anfassen lassen möchte man nur mit einem gewissen menschen zu dem man auch das vertrauen hat und dieser mensch, passt in der regel und mit diesem menschen will man auch nachkommen. mit anderen geht das gar nicht. wenn man jedem so nah wäre , dass man das kann dann ist es auch kein wunder, dass es so viele scheidungen gibt. “normale” menschen, sind für mich triebtäter, einfach nur egoistisch und dumm im kopf. sie funktionieren nach aussehen, sex und geld, gier, den blödesten wünschen die man eigentlich auch so hat nur anders und besser. seit ich herausfand wer ich im gegensatz war, habe ich keine unterleibsprobleme mehr und die ursachen für andersartigkeit, haben gründe. es ist nicht angeboren. ich fühlte nur immer was mir schadete und was mir weiter half und was ich eigentlich brauchte um stark zu werden aber menschen geben und machen das gegenteil…… ich weiss gar nicht, was ist nun autist und was normal?….. als alles aus mir herausplatzte, ging ich menschen bewusst so an , wie sie mir gegenüber immer waren und siehe da, dadurch kann man ihnen das selbe gefühl eines autisten vermitteln. ich muss sagen, das ich im leben noch nie hilfe oder unterstützung genoß und allem völlig ausgeliefert war … somit gar nicht sein oder handeln konnte, wie andere. es wäre schön , wenn sie mir helfen könnten und mir antworten geben könnten…… ich hatte nie an gesprächen anderer teilnehmen können weil ich nie wusste von was sie sprachen … ich wurde älter und bewies mir, wer nun recht hatte und erst dann begann ich zu reden und sehr schlagfertig zu werden so, dass sich plötzlich “normale” ertappt fühlten und ihre lebensfehler erkannten. ein chef musste die abteilung wechseln weil ich ihn mir vorknüpfte da mich die leute los werden wollten…. ich galt als nicht teamfähig, eigensinnig und kam den leuten wie ein gast vor aber wollte nie wie sie sein und der job war nur ein job für mich, eltern nur eltern, kollegen nur kollegen und den job beherrschte ich allumfassend im verständnis beser als mein chef da ich selbst in einem betrieb gelernt hatte und eine meister-laufbahn damals vorhatte auch angenommen wäre, wenn die deutsche wende das nicht verhindert hätte. meine fähigkeiten und allgemeinsichtigkeit, bei der ich immer von mir im bezug auf alles ausging, hatte mein wissen und können im privaten leben bestätigt in dem es das weltliche chaos nicht gab und wirtschaftlich ein plus aufgebaut wurde und nicht das minus der welt. gemobbt und angegriffen wurde ich mein leben lang nur, das ich das überhörte als mir jedoch die wahren gründe dafür klar wurden, drehte ich durch. es wäre noch schön zu wissen, ob wenn ich zu autisten zähle, es dafür bescheinigungen gibt denn ich muss mich schützen in der “normalen”- welt. ein autist ist durchaus dazu fähig eine beziehung zu haben , zu lieben und auch den wunsch nach einem kind zu haben aber muss die richtige behandlung , umgang und unterstützung dazu erfahren denn typische eltern-fehler, macht ein autist …. autistin woh gemerkt nich. ich kann mich an meine wirkliche mutter erinnern, sie lächelte nur wenn ich mich hinter ihrem bein versteckte wenn fremde kamen. jene durften mir nicht zu nahe kommen da kam es sogar vor, das ich die hand erhob aber sie sagte dann nur …. sie mag das nicht. meine mutter brachte sich später um und heute weiss ich was die gründe dafür waren. von autismus las ich erst vor kurzer zeit als mir klar wurde, das ich das haben muss. aber ich schlug die seiten enttäuscht zu als ich las, was forscher darunter von sich geben und das, was ich von angeblichen autisten hier und im internet lese, kann mich auch nicht davon überzeugen, das es verschiedene menschen geben soll….. nur die situationen sind anders. die einen stecken früher in ihnen und andere kommen erst viel später dahin. und wenn mir gesagt wird, dass autismus von geburt an ist so kann ich darauf nur antworten, dass ein kind im bauch schon die gefühle der mutter erfährt….. sich ihre sorgen und ängst zeigen und aus erfahrung weiss ich, dass eine frau die beziehungsstress hat… hormonell durch die hölle geht….. meinbruder zb war gewollt und ein wunschkind meines vaters….. bei mir ging es schon um scheidung. mein vater betrog sie auch…… mein bruder hat auch seine macken immer schon gehabt…. ich rackelte und er buchte mit dem kopf immer aufs kissen. aber wir sind verschieden und da denke ich, das es auch mit erziehung zu tun hat. er als junge und ich als mädchen. ich sage heute, dass es gott war, der mich sehr liebte und mich geschützt durchs leben brachte, selbst in den ausweglosesten situationen war wie durch ein wunder zur richtigen zeit die lösung da. ich meide menschen, die unlogisch leben und hasse schänder….. vergieb ihnen, denn sie wissen nicht was tun……. ich vergebe nicht denn ich bin nicht gott. ich sehe auch, dass entsprechend des handelns der menschen dann auch ihre strafe kommt….. also , so frage ich….. muss autismus behandelt werden? ich habe keine typischen menschenkrankheiten… grippe, und solche sachen bekomme ich nicht einmal wenn alle in meiner arbeit das haben. trotz stürze und unfall geschah mir nie etwas weil ich bewusst immer auf meine knochen achtete….. anfällig und schlecht , war und ging es mir nur, wenn ich menschen zu nah an mich heran ließ. ich brauchte nun 10 jahre, um wider stabil nach dem letzten menschen zu werden ….. das komische ist, dass ich mit 6 stark und gesund zum vater kam und dort nur probleme hatte, mit körper , inner stärke, entwicklung … mit 16 zog ich aus und es machte mir keine probleme … sofort ging es mir gut. also brauchte ich auch da 10 jahre um heimlich stark zu werden und dann zu gehen . mein erster mann,wollte nach 10 jahren schluss zurück und ich brauchte genau diese 10 jahre, um ihn zu erkennen…. zu erkennen, weshalb es mir in beziehung schlecht gegangen war und schloß da erst wirklich ab. was heisst eigentlich, dass autisten menschliche gefühle nicht verstehen und das das krank ist ???? auch ein autist ist der welt ausgeliefert und hat die selben gefühle nur das er stärker sein muss weil sie dadurch krank werden können. warum sollte ein autist sich auf die gefühle von anderen einlassen wenn sie ihn in seiner persönlichen entwicklung aus reinem egoismus und zum selbstnutz, die beine brechen wollen? ich hatte es nicht anders gelernt und mein leben war purer kampf dabei war ich sehr mitleidig um am ende heraus zu bekommen, dass es dene nur zu gut ging? ……. können sie vielleicht mit meinem geschriebenen etwas anfangen? ich wäre dankbar für antwort. l.g. greet71
September 18th, 2009 at 16:27
entschuldigung für die vielen fehler und auch , dass ich nur klein schreibe . das kann ich natürlich besser. habe mich jetzt erschrocken, als ich widerholt las. aber ich habe jetzt zu sehr dabei nachgedacht, wie ich ihnen meine situation klar machen könnte. früher reagierte ich ganz anders als im vergleich zu jetzt. und wenn es heisst, dass autisten kein mitgefühl hätten , so kann ich das , aufgrund meines lebensverlaufes nun, bestätigen. für mein zu großes mitleid damals, das verlogen nur benutzt wurde kann ich das heute reinem gewissens von mir behaupten und fühle mich frei wie nie dabei.
September 20th, 2009 at 19:38
Hallo !
Danke für diesen sehr ausführlichen Beitrag. Vielleicht kannst du beim Schreiben ein par Absätze machen, es ist leichter zu lesen, wenn man beim Lesen “Luft holen” kann.
Ob du wirklich Autistin bist, kann dir aus der Ferne natürlich niemand beantworten, das wäre sehr unseriös. Es gibt schon Dinge, die darauf hindeuten für mich. Dazu gehört das dauernde Hinterfragen, wie du bist, wie die anderen sind und wie deine Position in der Gemeinschaft mit den anderen ist. Viel Nachdenken über Dinge, die andere einfach “irgendwie” machen, ist sehr typisch.
Einige Fragen kann man allerdings auch durch viel Nachdenken nicht beantworten und vielleicht kommt man irgendwann auch zu dem Schluss, dass ihre Beantwortung auch nicht weiterhelfen würde; dazu gehört für mich die Frage, was an einem selbst durch Autismus bedingt ist, und was andere Ursachen (du hast Probleme in der Familie angesprochen) hat. Diese Dinge stehen so sehr in Wechselwirkung miteinander, dass es auch keinen Sinn ergibt zu fragen, wie ich “ohne Autismus” wäre.
Zu Dingen wie Problemen im Unterleib oder Fehlgeburten kann ich natürlich persönlich nichts sagen, aber Autismus (und das dadurch bedingte “nicht in die Welt hineinpassen”) kann einen derart unter Druck setzen, dass Psychische Probleme (Depressionen, Ängste, Zwänge) und auch psychosomatische Folgen nicht selten sind.
Neben diesem Blog gibt es im Internet einige Foren zu dem Thema und es gibt auch Selbsthilfegruppen, in denen man andere Autisten kennenlernen kann. Das ist eine grosse Hilfe dabei, selbst zu einer fundierten Einschätzung zu kommen, ob man betroffen sein könnte. Hast du die diversen Selbsttests gemacht? Strebst du eine Diagnose durch einen Spezialisten an?
Gruss
Christian
September 26th, 2009 at 22:03
Nein, Autismus kann nicht nachlassen (hat man oder hat man nicht); allenfalls die Ausprägung der Symptome kann sich verändern, es können “Folgestörungen” entstehen und auch ein Autist kann sich, in seinem Rahmen, entwickeln, wie jeder Mensch eben.
Ich hatte die Diagnose bereits als Kind (damals hiess es jedoch Igelkind und “bekloppt”), habe niemals im positiven darauf Rücksicht genommen oder nehmen dürfen, sondern wie alle anderen gelebt. Das Leben hat mir leider viele schwere Erlebnisse und schwierige Zeiten aufgebrummt und nach 50 Jahren Quälerei vielen unverschuldeten Ohnmachtserlebnissen und einer weiteren Gehirnwäsche namens Psychoanalyse bin ich ziemlich am Ende.
Viele meiner autistischen Primär-, Sekundär-, Tertiär-Symptome (ich bin mir erst seit kurzem wirklich bewußt, das das Autismus heisst; Menschen, die mich in meinen ersten 50 Jahren kannten, würden nicht glauben, das ich Autistin bin) sind extrem, ich sehe das als Folge des Lebens, das ich führen (musste).
In einer SHG beneide ich am meisten die, die nach aussen zwar viele “exzentrische” Auffälligkeiten haben, denn das sind die, die sich am meisten ihr ursprüngliches ICH bewahrt haben (allerdings auch schwierig für ihr Umfeld sind, dafür nicht so angepasst sind) und denen es trotz allem besser geht. Mich hat das jahrzehntelange so-tun-als-ob verändert (ist irgendwie chronisch geworden, wie zweite Haut und ich kann schon gar nicht mehr anders) und weh getan, denn das was ICH ist, kenne ich kaum noch bzw. kann es gar nicht mehr leben.
Nein, das Autismus nachlässt, glaube ich aus meiner heutigen Sicht nicht; weder was die Daseinsform angeht noch was Eigenheiten, Talente, Symptome etc. angeht, aber es gibt Veränderungen in den Ausprägungen, im Leben mit mir und mit dem Umfeld. Und auch Entwicklung, endlich meine eigene.
Das es nachlässt? Da lässt eher der Haarwuchs nach!
Dezember 8th, 2009 at 09:21
Hallo Christian,
Hallo Kommentar Leser,
ich persönlich stimme dir zu, dass mit den Jahren eine Veränderung zum Besseren stattfindet. Zum besseren Verstehen, zum besseren sozialen Umgang etc. Ich denke, dass es auch viel mit der Intelligenz eines autistischen Menschen zu tun hat, wie gut er Zusammenhänge erkennen kann und auch wie interessiert er am Umgang mit Menschen ist. Das sind Voraussetzungen hierfür, ohne Interesse von Seiten des Autisten an so etwas läuft natürlich gar nichts.
Für meine Diagnosestellung musste ich „Back to the roots“ gehen und zur Diagnose in meinem Verhalten „ungeschminkt“ erscheinen. Hätte ich meine „soziale Tarnung“ durchgezogen, wäre ich kaum in eine echte Diagnosephase gekommen.
Tatsächlich habe ich gar keine Probleme im oberflächlichen Umgang mit Menschen, ich komme sehr sympathisch herüber und selbst wenn ich mich mal wieder “dumm” anstelle, scheint meine freundliche Persönlichkeit über diese kleinen (oder größeren) Peinlichkeiten hinwegzuhelfen. Aber ich mag Menschen auch und den Austausch miteinander (nur nicht in der Überdosis, in der es im normalen Umgang miteinander ist).
Was mich bei der Diagnosestellung überraschte, war, dass ich mit meinen 46 Jahren tatsächlich all die autistischen Defizite aufweise (ToM) und sich an denen der Autismus festnageln lässt (abgesehen von meinen zeitintensiven Hobbies und dem repetiven intelekuellen Verhalten).
Insoweit also mein eigenes Fazit als Autistin: Mit den Jahren lernt man als Autist mit seinem Autismus in dieser nicht-autistischen Welt besser zurecht zu kommen, man lernt Defizite auszubügeln bzw. wie man damit umgeht, man lernt Toleranz und kommt mit den Menschen besser aus als in jungen Jahren. Doch was bleibt, ist das Gefühl, fundamental anders zu sein und niemals so sein zu können wie die Anderen. Aber ich denke auch, man kann sich innerhalb des Spektrums nahe an die Grenze zum „normalen“ heranarbeiten. Überwinden wird man sie nie, egal wie sehr man sich anstrengt. Das heißt aber nicht, dass man nicht versuchen sollte, sich „zu verbessern“.
Für mich ist meine lebenslange Reise zum Verstehen eine sehr bereichernde und auch spannende Reise. Außerdem bin ich kein Opfer! Und ganz bestimmt nicht ein Opfer meiner Gene, meiner Umwelt oder meines “Schicksals”.
Maria (Hugin aus dem Aspergia Forum)