Selbsthilfegruppen - eine wichtige Stütze
In einem Forum las ich einmal die Frage, welchen Sinn Selbsthilfegruppen hätten, wo man Autismus doch nicht “heilen” kann. Für mich stellen sie neben professionellen Therapieangeboten eine wichtige Stütze im Leben dar….Was passiert beim Treffen einer Selbsthilfegruppe?
Meistens gibt es eine Vorstellungsrunde. Jeder sagt, wie er heisst, wie alt er ist und erzählt etwas über sich. Vielleicht, was er beruflich macht oder wie er dazu gekommen ist, sich mit Autismus zu beschäftigen. Dann wird gefragt, ob jemand in der Gruppe ein aktuelles Thema hat, über das er sprechen möchte. Vielleicht geht es um die Ausbildung, um Beziehungen oder Freundschaften oder auch darum, wo und wie man eine Diagnose im autistischen Spektrum erhalten und Beratung in Anspruch nehmen kann. Die Themen sind vielfältig und der Austausch mit anderen ist interessant, denn jeder hat hier andere Erfahrungen. In der Regel wird aber zusätzlich schon vorher ein Thema für die Stunde vereinbart, dass dann von einem Gruppenmitglied intensiver vorbereitet werden kann.
Muss man Angst haben vor dem Treffen?
Nein. Niemand muss bei den Treffen etwas sagen. Wenn man nur zuhören möchte, ist das völlig OK. Selbst wenn das zu viel sein sollte, hat niemand etwas dagegen, wenn jemand mal den Raum verlässt, um sich zu erholen.
Wer kann kommen?
Im Prinzip jeder, der sich für Betroffen hält. Die meisten Gruppen verlangen auch nicht, dass eine ärztliche Diagnose vorliegt. Für Eltern von autistischen Kindern oder andere, nicht selbst betroffene Angehörige gibt es eigene Gruppen. Ob eine Anmeldung erwartet wird, hängt von der Gruppe ab, das wird nicht überall gleich gehandhabt.
Was bieten die Treffen sonst noch?
Für viele, die sich betroffen fühlen, aber noch sehr unsicher sind, bietet eine Selbsthilfegruppe die Möglichkeit, andere Betroffene kennenzulernen. Das hilft, das Asperger Syndrom besser einschätzen zu können bei anderen und damit auch bei sich selbst. Viele haben dadurch erst den Mut gefunden, einen Arzt aufzusuchen. Man erfährt, wie andere mit dem Thema und mit konkreten Problemen aber auch Stärken umgehen. Natürlich ist es auch einfach eine Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen. Für mich waren es oft sogar sehr interessante Menschen. Nach dem Gruppentreffen gibt es oft noch ein lockeres Miteinander in einer Eisdiele oder Pizzeria.
Ist eine Selbsthilfegruppe ein Ersatz für eine Therapie?
Sicher nicht. Die Gruppe kann nicht so sehr auf individuelle Probleme eingehen, wie es in einer Einzeltherapie möglich ist. Für dringende Probleme ist ein monatliches Gruppentreffen auch zu wenig. Es ist aber eine gute Ergänzung. Im Gegensatz zu einer Therapie kann man zu einer Selbsthilfegruppe so lange gehen, wie man möchte - unabhängig von Therapieplätzen oder Kostenträgern.
Wo finde ich eine Gruppe?
Es gibt z.B. bei Aspies e.V. eine Liste von Selbsthilfegruppen
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