Beispiele und Geschichten: Provokation?
Warum führen Kleinigkeiten manchmal zu grossem Ärger? Manchmal werden Verhaltensweisen als Provokation empfunden, obwohl sie absolut nicht so gemeint sind….Eine Zeit lang hatte ich die “Macke”, auf dem Stuhl in der Schule immer hin und her wippen zu müssen. Gedacht habe ich nichts dabei, das passierte immer “automatisch”, immer gerade dann, wenn ich an etwas anderes dachte. Das wurde natürlich als eine Störung angesehen. In Phasen, in denen konzentrierte Arbeit gefragt ist, kann ich das durchaus nachvollziehen.
Schlimm wurde es, weil ich nach einer Ermahnung durchaus damit aufhören konnte, nach einiger Zeit damit aber immer wieder anfing. Mir wurde unterstellt, es sei Absicht und ich wollte damit angeblich provozieren. Das führte auch zu unangenehmen Gesprächen mit meinen Eltern.
Es war aber nicht so! Nach der Ermahnung konnte ich das bewusst unterdrücken. Das ging allerdings nur solange, bis ich an etwas anderes dachte. Dann fing es wieder an. Um das wirklich dauerhaft zu unterdrücken, hätte ich mich die ganze Zeit darauf konzentrieren müssen, dem Unterricht zu folgen oder eine Aufgabe zu erledigen wäre kaum noch möglich gewesen. Das wäre bestimmt nicht im Sinne der Lehrerin gewesen.
Solche “Bewegungsstereotypien” gehören bei Autismus und auch beim Asperger Syndrom oft mit dazu. Sie lassen sich nur ganz allmählich abbauen. Vorwürfe oder Unterstellung von Absicht helfen nicht weiter. Leider wird dann oft Provokation unterstellt.
Ich glaube, dass autistische Kinder sogar weniger provozieren als andere. Provokation bedeutet, sich absichtlich so zu verhalten, dass der andere aufgebracht wird. Dazu muss man sich aber so weit in den anderen hinein versetzten können, dass man genau die Schwachpunkte, mit denen man andere wütend machen kann, erkennt. Man muss wissen, welchen Einfluss man selbst auf das Verhalten von anderen hat und dieses Wissen anwenden. Die meisten Menschen machen das natürlich intuitiv. Gerade das macht mit Autismus aber Schwierigkeiten. Natürlich können Jugendliche und Erwachsene das irgendwann bewusst lernen und auch hier die Intuition durch “kühle Berechnung” - wie ein Schachspieler - ersetzen. Im Grundschulalter wäre ich dazu aber bei weitem nicht in der Lage gewesen und als ich in diese Lage kam, wusste ich, dass man so etwas besser nicht zu oft macht….
Posted in Allgemein, Autismus - Beispiele und Geschichten |
Juni 6th, 2009 at 15:46
Tur mir leid, aber dieses Beispiel ist nicht besonders Konkret. Viel mehr ist es eine Metapher, denn mit Autismus hat dieses Ergebis, meiner Meinung nach nichts zu tun.
Juni 7th, 2009 at 10:14
Danke für deinen Kommentar!
Autismus ist subjektiv und manchmal auch subtil. Liest man die Kriterien im ICD (”kein Mitgefühl” usw.) könnte man meinen,
ein Aspie wäre ein Mensch, der auf der Strasse andere aufschlitzt und dabei nichts spürt. Solchen Vorstellungen möchte ich auch
entgegenwirken. Es ist übrigends keine Metapher, sondern es ist wirklich so passiert.
Gruss
Christian
Dezember 13th, 2009 at 12:23
Tja, da sieht man mal wieder, wie unaufgeklärt und teils auch ignorant der Rest vom Planeten Erde mit uns umgeht! Die Aussage von Alex spiegelt leider die Ansicht der meisten Nicht-Autisten wider! Ich kann die Beschreibung “Warum führen Kleinigkeiten manchmal zu grossem Ärger?” sehr gut nachvollziehen, mir geht es ja schon mein ganzes Leben genau so. Ich habe erst mit 43 Jahren, im Nov.09 die Diagnose AS bekommen…..
April 14th, 2010 at 13:48
stimmt.viele Leute kapieren es einfach nicht. es ist auch zwecklos, Lehrern/Erziehern oder sonst wem den gut gemeinten Tip zu geben “versetzt euch mal in seine Lage”…blabla..wie sollten sie?? SIE haben korrekte Empathie…
selbst ich habe manchmal noch Schwierigkeiten, mich in meinen Sohn hineinzuversetzen, weil immer ein neues/anderes Veraltensmuster hinzukommt, welches seinen Autismus untermalt. Da bin ich dann als sein Korrespondent gefragt - und wißt ihr was? mir macht es Riesenspaß - was kann ich alles von ihm und seiner Sichtweise lernen?! Manchmal denke ich - wären alle Menschen Aspis…wäre das Teil in vielerlei HInsicht einfacher…
LG
April 14th, 2010 at 13:52
stimmt.viele Leute kapieren es einfach nicht. es ist auch zwecklos, Lehrern/Erziehern oder sonst wem den gut gemeinten Tip zu geben “versetzt euch mal in seine Lage”…blabla..wie sollten sie?? SIE haben korrekte Empathie…
selbst ich habe manchmal noch Schwierigkeiten, mich in meinen Sohn hineinzuversetzen, weil immer ein neues/anderes Veraltensmuster hinzukommt, welches seinen Autismus untermalt. Da bin ich dann als sein Korrespondent gefragt - und wißt ihr was? mir macht es Riesenspaß - was kann ich alles von ihm und seiner Sichtweise lernen?! Manchmal denke ich - wären alle Menschen Aspis…wäre das Leben in vielerlei HInsicht einfacher…
LG