Aspies e.V.: Positives Fazit der Bundestagung von Autismus Deutschland e.V.
Rainer Döhle zieht im Newsletter 01/2009 von Aspies e.V. ein überwiegend positives Fazit der Tagung. Nachdem es unter Autisten in verschiedenen Foren Diskussionen und Zweifel gab, ob die Veranstaltung uns als Betroffene ausreichend berücksichtigen würde und auch mein eigener offener Brief leider unbeantwortet blieb, finde ich das sehr erfreulich….Zunächst übte Rainer zwar etwas Kritik wegen der Rahmenbedingungen. Dabei geht um das “Gewimmel” auf der Tagung, welches zugegebenerweise wohl unvermeidbar ist und mangelnde Rückzugsmöglichkeiten und den “Eintrittspreis” von 100 Euro, der viele Betroffene (die ja leider oft arbeitslos sind) abgeschreckt haben dürfte.
Inhaltlich zeigte sich aber ein einsetzendes Umdenken auch bei vielen Fachleuten. Autismus wird zunehmend nicht mehr nur durch Symptome verstanden, sondern spezifische Stärken werden mehr und mehr als solche akzeptiert:
In der Einführungsrede von Frau Kaminski
konnte sie es sich nicht verkneifen, einen
Seitenhieb gegen diejenigen auszuteilen, die im
Autismus eine eigene Kultur und keine
Behinderung sähen, da diese das wahre Leiden der
autistischen Menschen bagatellisieren würden,
aber letztlich betonte selbst Frau Kaminski dann,
dass es darum gehen müsse, den Fokus weg von
den Defiziten und hin zu den Stärken der Autisten
zu lenken; das schien mir auch sonst ein wichtiger
Tenor in allen Vorträgen zu sein, auch wenn man
manchem Psychologen bzw. mancher Psychologin
anmerkte, dass dieser Perspektivewechsel für sie
sehr ungewohnt war.
Auch der “heiss erwartete” Vortrag, ob Autisten als Experten in eigener Sache gesehen werden könnten, zeigte eindeutige Anerkennung. Im Programm der Tagung war das noch mit einem Fragezeichen in der Überschrift versehen. Im wirklichen Vortrag war von dem Fragezeichen keine Rede mehr:
Am Samstag war ich dann gespannt auf den Vortrag von Andreas Eckert über die Frage, ob man Autisten als Experten in eigener Sache betrachten könne.
Bezeichnenderweise war dann aber im Vortrag und auf den entsprechenden Folien von dem Fragezeichen nichts mehr zu sehen. Stattdessen wurde explizit auch Aspies e.V. und unsere Webseite erwähnt und dass wir dort einen Terminkalender hätten und sogar Autismus- kultur wurde erwähnt.
Warum hat man darüber nicht schon bei der Formulierung des Programms nachgedacht oder auch auf meinen Brief geantwortet? Auch wenn diese Frage wohl nicht mehr beantwortet wird, ist Rainers Bericht doch Zeichen einer sehr erfreulichen Entwicklung.
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